Passiv verwaltete Fonds auf dem Vormarsch: Was heißt das für die Hauptversammlung?

Kann beim aktiv gemanagten Fonds beispielsweise der Investor-Relations-Leiter oder der CFO mit einem Fondsmanager sprechen, so hat er es hier vielfach mit einem Algorithmus zu tun, der lediglich einen Index wie etwa den DAX nachbildet. Phoebe Kebbel erläutert in der Ausgabe 4/2017 des PR Magazins die drei sich daraus ergebenen Schlussfolgerungen für die Finanzkommunikation und die Vorbereitung von Hauptversammlungen.

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Indexfonds und Exchange-Traded Funds (ETFs) werden zu einer immer wichtigeren Aktionärsgruppe. Weltweit hält diese Gruppe der passiv verwalteten Fonds bei neun von zehn S&P-500-Unternehmen über 10 Prozent der Anteile. In vielen Unternehmen dürfte sie damit die größte Aktionärsgruppe stellen. Moody’s schätzt, dass bis 2024 passive Fonds die aktiv gemanagten überholen.

Was heißt das für die Aktionärsdemokratie bei der Hauptversammlung? Kann beim aktiv gemanagten Fonds beispielsweise der Investor-Relations-Leiter oder der CFO mit einem Fondsmanager sprechen, so hat er es hier vielfach mit einem Algorithmus zu tun, der lediglich einen Index wie etwa den DAX nachbildet.

Drei Schlussfolgerungen ergeben sich daraus für die Finanzkommunikation und die Vorbereitung von Hauptversammlungen:

Erstens: Wo es keinen aktiven Fondsmanager gibt, kann man auch keinen überzeugen. Umso wichtiger ist es, einen regen Dialog mit den verbleibenden aktiv gemanagten Fonds und weiteren Aktionären zu pflegen. Das gilt gerade dann, wenn man in kritischen Situationen einmal Verbündete braucht, die sich auch offen zum Management bekennen.

Zweitens: In den meisten Fällen stimmen die passiven Fonds so ab, wie die so genannten Proxy Advisors – insbesondere ISS und Glass Lewis – empfehlen. Unternehmen tun daher gut daran, die Grundsätze dieser Firmen zu kennen und sich regelmäßig über Aktualisierungen zu informieren. Kritische Themen sind z.B. die Ämterhäufung bei Aufsichtsräten, Aktiengattungen mit unterschiedlichen Stimmrechten oder Vergütungsregeln.

Drittens: Neben den Grundsätzen der Proxy Advisors sollte man sich auch mit den eigenen Regeln der passiven Fonds auseinandersetzen. Denn auch sie agieren nicht zu 100 Prozent passiv. Blackrock-Chef Larry Fink etwa veröffentlicht einmal im Jahr einen Brief an die CEOs der Unternehmen und spricht dabei Klartext zu Themen wie Ausschüttungspolitik und Aktienrückkäufen. Ähnliche Veröffentlichungen gibt es auch von anderen passiven Investoren. Manch einer wie State Street stimmt durchaus auch bei Hauptversammlungen gegen Vorschläge des Managements. So weit sollte man es aber erst nicht kommen lassen. Zwar kann man den Algorithmus des passiven Investors nicht beeinflussen. Aber man kann sich bemühen zu verstehen, wann dieser Algorithmus dem passiven Investor rät, aktiv zu werden. In einem solchen Fall dürfte das bilaterale Gespräch im Vorfeld die bessere Variante als der Showdown bei der Hauptversammlung sein.

Fazit: Der Umgang mit passiv gemanagten Fonds folgt anderen Regeln als der mit anderen Investoren. Unternehmen tun gut daran, sich frühzeitig mit diesen Regeln zu beschäftigen. Denn mit dieser immer wichtiger werdenden Investorengruppe sollte es sich kein Unternehmen verscherzen.

 

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