Die Ausnahme, die Rabenmutter, die Kämpferin – Unbewusste Bias in der medialen Darstellung von Top-Managerinnen

8. März 2020 – Der Einfluss der Medien auf die öffentliche Meinung ist unbestritten. Wie wir zur Gleichberechtigung von Männern und Frauen stehen und welchen Stellenwert wir dieser in der öffentlichen Debatte einräumen, stellt dabei keine Ausnahme dar. Zum Weltfrauentag haben wir uns deshalb gefragt: Wie werden Managerinnen in deutschen Leitmedien dargestellt? Und welche Folgen haben dabei unbewusste Bias und Klischees? Aus sechs ausführlichen Gesprächen mit Frauen aus Wirtschaft und Journalismus und einer Inhaltsanalyse von über 850 Artikeln deutscher Leitmedien ziehen wir spannende Erkenntnisse.

Zentrale Erkenntnisse

1. Top-Managerinnen werden oft als Ausnahme beschrieben, das Medieninteresse ist entsprechend groß. Häufig werden dabei individuelle Eigenarten besonders hervorgehoben.

2. Frauen in Führungspositionen sehen sich in der Berichterstattung meistens mit veralteten Rollenmustern und entsprechenden gesellschaftlichen Erwartungen konfrontiert.

3. Das Aussehen von Frauen nimmt in den untersuchten Medien doppelt so viel Raum ein wie das von Männern. Managerinnen empfinden ihr Auftreten auch als stärker bewertet.

4. Medien diskutieren bei Frauen das Familien-, Liebes- und Privatleben oder die Kindheit im Durchschnitt doppelt so häufig wie bei Männern. Unsere Gesprächspartnerinnen bestätigen, dass ihre fachlichen Beiträge deshalb weniger im Vordergrund stehen.

5. Stereotyp „männliche“ Führungseigenschaften werden beiden Geschlechtern zugeschrieben – bei Frauen aber häufig negativer konnotiert.

6. In der medialen Darstellung treiben Managerinnen oft den Wandel, während ihre Kollegen eher als Bewahrer gelten.

7. Top-Managerinnen sehen sich als mediale Vorbilder für andere Frauen. Unsere Gesprächspartnerinnen ermutigen Kolleginnen, selbstbewusst mit den Medien umzugehen und eine klare Strategie zu verfolgen.

8. Den Medien wird eine große gesellschaftliche Verantwortung zugeschrieben. Es sei auch an ihnen, eigene Bias zu hinterfragen und traditionelle Rollenbilder aufzubrechen.

Daraus ableiten lässt sich einerseits, wie wichtig es für Managerinnen ist, die mediale Bühne für die eigenen Botschaften und Überzeugungen zu nutzen und die Deutungshoheit nicht aus der Hand zu geben. Andererseits verlangt der Umgang mit Medienvertretern eine intensive Vorbereitung und Auseinandersetzung mit der eigenen Agenda. Ziele und Erwartungen an das Gespräch sollten stets im Blick behalten werden. Managerinnen gewinnen dann, wenn sie ihre Mediengespräche aktiv steuern. Sehen sie sich mit vermeintlich trivialen Fragen nach Aussehen und Inhalt der Handtasche konfrontiert, liegt die Gegenfrage nahe: „Würden Sie das einen Mann auch fragen?“

Vielen Dank an Marion Horn, Fränzi Kühne, Janina Kugel, Simone Menne, Tina Müller und Ariane Reinhart für Ihre persönliche Sicht und Ihre Erfahrungen.

Unseren vollständigen Impulsbeitrag mit allen Erkenntnissen und Interviews finden Sie hier.

 

Kontakt

Jan Hiesserich

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