Der CEO-Job – eine „mission impossible“?

Die CEO-Rolle ist nicht einfach. Das liegt in der Natur der Sache, denn als CEO trägt man die Gesamtverantwortung für ein Unternehmen und seine Mitarbeiter. Und dennoch: Die Anforderungen an den Mann oder die Frau an der Spitze von Unternehmen waren noch nie so hoch wie heute.

Innovationszyklen werden immer kürzer und setzen den Zeiten der langfristigen Geschäftsplanung endgültig ein Ende. Wer dem Markt nicht hinterherlaufen will, muss Entwicklungen antizipieren und schnell Entscheidungen treffen. Doch kaum getroffen, werden diese Entscheidungen schon öffentlich seziert. Begleitet von einem unaufhörlich rauschenden Nachrichtenzyklus stehen CEOs im permanenten Scheinwerferlicht. Dieser Trend hat sich in der Corona-Krise weiter verschärft. Das aktuelle wirtschaftliche Umfeld ist so unsicher wie nie zuvor. Gleichzeitig wird von CEOs nicht weniger erwartet, als mitten im Sturm einen klaren Kurs zu setzen. Wegweisende Entscheidungen werden damit auch zu Schicksalsentscheidungen.

Da drängt sich die Frage auf: Ist der CEO-Job eine „mission impossible“?

Es klingt paradox, aber die Antwort auf diese Frage findet sich ebenfalls in der aktuellen Krise. In unsicheren Zeiten richten sich die Augen der Mitarbeiter als erstes auf die Führungsetage. Während die Entscheider noch in der globalen Finanzkrise 2008/2009 vor allem mit Sprachlosigkeit geglänzt haben, nehmen viele CEOs aktuell eine sehr viel konstruktivere Rolle ein. Sie nutzen die Chance, positionieren ihre Unternehmen als Teil der Lösung und gestalten damit die eigene Zukunft.

Testkapazitäten wurden bereitgestellt, die Produktion auf Desinfektionsmitteln und Schutzkleidung umgestellt, Produkte kostenfrei zur Verfügung gestellt. Und nicht zuletzt haben viele CEOs auch auf signifikante Teile ihres Gehalts verzichtet oder diese gespendet. Das Zwischenergebnis ist eindeutig: Das Ansehen vieler Unternehmensführer ist zu Beginn der globalen Pandemie erheblich gestiegen.

Vom Admiral zum Skipper – wie der Rollenwechsel gelingen kann

Dieser Zustand aber ist äußerst fragil. Eine unbedachte Äußerung, fehlende Sensibilität für die Bedürfnisse der Stakeholder, eine unpopuläre Entscheidung und CEOs stehen wieder im Feuer. Wollen CEOs ihren neugewonnenen Gestaltungsspielraum dauerhaft festigen, müssen sie ihn verteidigen und ihre Rolle den neuen Gegebenheiten anpassen.

Vorbei sind die Zeiten, in denen CEOs wie Admiräle auf der Brücke Entscheidungen weitgehend allein getroffen und rein durch Anweisungen geführt haben. Vielmehr muss ein CEO seine Rolle heute eher als Skipper eines Segelbootes begreifen – als Teil eines starken Teams, der vorangeht und gleichzeitig auch selbst beim Setzen des Segels mit anpackt. Der Skipper-CEO zeichnet sich im Wesentlichen durch drei Charakterzüge aus.

  • Der menschliche CEO! Das Bild des unfehlbaren, allwissenden CEOs ist in den vergangenen Monaten zunehmend erodiert. Und das ist gut so, denn dieses Bild entspricht nicht der Realität. Stehen Sie zu Ihren Stärken und Schwächen. Sie müssen nicht alles selbst können, sondern die richtigen Experten in Ihr Team holen. Damit geht auch eine stärkere Teamorientierung auf Vorstandsebene einher. Und: Seien sie als Führungskraft nahbar. In der Corona-Krise haben sich viele CEOs von einer sehr persönlichen Seite gezeigt und digitale Kommunikationsplattformen genutzt, über die sie Stakeholder direkt und ohne Umwege erreichen konnten. In Videokonferenzen, Interviews und Blogbeiträgen haben sie Einblicke gegeben, wie sie die Corona-Krise persönlich erlebt haben – oft auch aus dem eigenen Homeoffice. Damit waren sie gefühlt mittendrin im Team.
  • Der Unternehmer-CEO! Das gesamtwirtschaftliche Umfeld bleibt auf absehbare Zeit volatil, die Entwicklung der Corona-Pandemie unberechenbar. Das macht schnelle, mutige Entscheidungen erforderlich – Zeit für zu langwierige Analysen bleibt nicht. Nur wenn Sie Ihr Unternehmen mit einer flexiblen Grundhaltung führen, werden Sie erfolgreich sein. Wer schneller Entscheidungen trifft, macht natürlich auch schneller Fehler. Doch das wird toleriert, wenn es Teil einer klaren Grundhaltung ist – besser schnell und mutig Entscheidungen treffen und Fehlentscheidungen genauso schnell korrigieren, als Entscheidungen erst viel zu spät zu treffen.
  • Der ehrbare CEO! Unternehmerisches Handeln wird nach der Corona-Krise stärker an gesellschaftlichen Werten gemessen werden als je zuvor. Corona hat das Kollektiv wieder stärker in den Vordergrund gerückt. Auch nach der Krise gilt es, verstärkt Verantwortung füreinander und für die Gesellschaft zu übernehmen. Als CEO müssen Sie Vorbild sein und das auch vermitteln: Die Frage nach dem gesellschaftlichen Beitrag eines Unternehmens wird nicht mehr länger unbeantwortet bleiben können.

Der CEO-Alltag wird sich durch die Krise dauerhaft verändern. Begreifen Sie die neuen Möglichkeiten der direkten Kommunikation und die Rolle Ihres Unternehmens als Teil eines größeren Ganzen als das, was es ist: eine historische Chance, die eigene Rolle aktiv zu gestalten und wieder mehr Gestaltungsspielraum zu gewinnen.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie die Autoren Raphael Eisenmann und Dr. Julia Caspers.